Fragen und Antworten zum Lazarus Orden

Die Fragen und Antworten entstammen einem Katalog, der von Ordensmitgliedern zur Präsentation unseres Ordens auf dem ersten ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin entwickelt wurde:

(hier überarbeitete Fassung Januar 2012)
 

(1) Wo stammt der Orden her, wo ist seine historische Wiege?

Die Herkunft des Ordens liegt im Morgenland. Die Wurzeln reichen in das frühe Mönchstum des dritten und vierten Jahrhunderts nach Christus zurück. Basileios der Große, der in Cäsarea Kappadokien wirkte, gründete zahlreiche Genossenschaften und Klöster, die er zur Nächstenliebe und sozialen Fürsorge anspornte. Dadurch entstanden zahlreiche Herbergen, Armenhäuser, Hospitäler und Lazarette im Osten, die sehr schnell zur Akzeptanz und Verbreitung des Christentums bei der Bevölkerung beitrugen. (Bertouch (Verf.), Mittelstaedt (Hrsg.), Mönchs- und Ritterorden, 1. Auflage, München, repr. 1984, S. 84ff). In der Zeit der Kreuzzüge wandelte sich der ursprünglich rein hospitalische Orden in einen militärischen Orden und beteiligte sich an den Kämpfen gegen die Muselmanen. Seine Mitwirkung an der Entscheidungsschlacht von Akkon ist historisch belegt.

(2) Wie dokumentiert der Orden seine "Echtheit" als gleichwertiger christlicher Ritterorden und grenzt sich erfolgreich gegen die Flut esoterischer Pseudogruppen, Lionsclubs, Rotariern, Logen usw. ab ?

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die (westliche) Quellenlage über die Ursprünge und die Entwicklung des Lazarus Ordens unbefriedigend bleibt. Die Auswertung östlicher Quellen über den Orden ist von westlicher Seite bis heute nicht erfolgt. Das ist nicht ungewöhnlich, weil viele Quellen durch den Verlust des Orients und des Ostens verloren gegangen sind, aber der Westen auch ziemlich durchgängig sehr wenig Einfühlungsvermögen mit seinen östlichen und orientalischen Schwestern und Brüdern aufzubringen verstand. Letzteres hat sich in den letzten 50 Jahren sicherlich geändert. Trotzdem gibt es immer wieder Störungen zwischen West und Ost, Okzident und Orient. Die Wunden der Geschichte sind tief. Der LAZARUS Orden ist unbestritten in der orientalischen Kirche beheimatet und dort entstanden. Er ist erst durch die Kreuzzüge ein militärischer Ritterorden geworden und darüber auch in den Westen gekommen. Über die westliche Entwicklung des Ordens ist die Quellenlage nicht ergiebig, aber immerhin besser als über die östliche. Nicht alles, was die Quellen erbringen, ist für den Orden ehrenvoll gewesen. Spätestens nach dem starken Rückgang der Lepra im westlichen Europa erlag der Orden unangemessenen Schwelgereien. Er verlor deshalb zeitweilig sein Ansehen beim Papst und der Kurie und bei weltlichen Herrschern, verstand es aber dennoch immer wieder, sich trotz bereits verfügter Auflösungsdekrete seiner tatsächlichen Auflösung zu entziehen, nicht zuletzt durch die Erinnerung an seine östlich-orientalische Wurzel und den Schutz des griechisch-katholischen Patriarchats. In der Zwischenzeit hat sich der Orden geistlich und innerlich regeneriert und ist weltweit tätig. Besonders in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte der Orden in Polen, Russland und dem übrigen Osteuropa sowie im Orient nennenswerte Hilfe, die ihm hohe kirchliche und staatliche Anerkennung verschafft hat. Der LAZARUS Orden ist ein "Ritterorden", der in seinem Wirken die Ziele der Bergpredigt und der barmherzigen Güte Gottes verfolgt, die Bewahrung des Christentums, seiner Universalität und die Übung des Gebetes und des Lobpreises Gottes. Alles das unterscheidet diesen Orden von anderen Clubs, Vereinen und Zusammenschlüssen. Der Orden dokumentiert und archiviert die Echtheit seiner Arbeit mit den zur Verfügung stehenden Medien der heutigen Zeit. Er gibt eigenes Schrifttum heraus, legt Bilddokumentationen an, verfasst ein eigenes Journal, macht Tonaufnahmen und so weiter.

(3) Womit bzw. wie belegt der Orden seine Legitimität als anerkannt ökumenische Gruppe in den christlichen Konfessionen heute?

Der Orden gehört zur ökumenischen Bewegung der christlichen Kirchen. Der Orden lebt in der Ökumene. Der Lazarus Orden sieht seine Aufgabe in den Werken der tätigen und geistigen Barmherzigkeit, im Gebet und im Lobpreis Gottes, schlicht in der Umsetzung der Frohen Botschaft. Darin wirkt er mit allen Christen zusammen.

(4) Was ist die Ursache für die ökumenische Verfassung des Ordens?

Nach der Laisierung des Ordens im Jahre 1772 nahm der Orden auch Ritter anderer christlicher Konfessionen auf. Orthodoxe, Protestanten, Armenier, Anglikaner fanden sich dann ebenso in den Rängen des Ordens wie Katholiken und Unierte. Diese ökumenische Richtung verstärkte sich noch, als der Orden im 19. Jahrhundert unter das geistliche Protektorat des griechisch-katholischen (melkitischen) Patriarchen von Alexandrien, Jerusalem, Antiochien und dem gesamten Orient kam. Der Orden begründet seine ökumenische Haltung a) durch die Auswahl seiner Mitglieder. In den verschiedenen Großprioraten (Großballeien) treffen einander Angehörige der römisch-katholischen Kirche, Anglikaner, Protestanten und Orthodoxe im Geiste der Brüderlichkeit und Nächstenliebe. Auch die "Gefährten des Lazarusordens" (in Deutschland: "Freunde des Ordens") nehmen gerne an diesen Treffen teil. b) durch seine karitativen - "hospitalischen" -  Werke. Der Orden lässt in seinen Spitälern den Kranken und Bedürftigen Hilfe ohne Rücksicht auf deren religiöses Bekenntnis angedeihen. c) durch die Ordenszugehörigkeit hoher kirchlicher Würdenträger verschiedener Konfessionen, die dadurch dem Orden eine besonders prägnante ökumenische Linie verleihen. (Zitat aus: E.Feigel, Memento, Wien 1970, repr. 1996, S. 95)

(5) Welcher christlichen Kirche ist der Orden angeschlossen?

Der Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem  ist durch seine Tradition und seine Satzung der Ökumene verpflichtet. Alle Christen, gleich welcher Konfession, können dem Orden angehören, männliche wie weibliche Christen. Die einseitige Anerkennung oder Bindung an eine der christlichen Kirchen widerspräche dem grundsätzlichen Bekenntnis zur Ökumene.

(6) Wie ist das Verhältnis zu anderen Ordensgemeinschaften?

Der Orden unterhält enge Beziehungen zu den Salesianern, den Benediktinern und zu den Franziskanern. Das Verhältnis zum Deutschen Orden ist diplomatisch korrekt. Historisch belastet sind die Beziehungen zu den Johannitern bzw. zu den Maltesern.

(7) Hat der Orden eine staatliche und/oder kirchenrechtliche Anerkennung?

Der Orden genießt staatliche Anerkennung in Kroatien, Österreich, Ungarn und Südafrika. Es besteht des Weiteren eine hohe Anerkennung der Russischen Föderation für das Wirken des Ordens in Russland. Papst Johannes Paul der II. hatte eine sehr hohe Wertschätzung für die hospitalische Arbeit des LAZARUS Ordens. Zahlreiche kirchliche Würdenträger der römisch-katholischen Kirche gehören auch dem LAZARUS Orden an. LAZARUS genießt eine hohe Reputation, aber verfügt derzeit nicht über eine offizielle Anerkennung des Vatikans. (van Duren, Orders of knighthood and of merit, Gerrads Cross U.K., 1995, Chapter X, S. 495ff) Auch Würdenträger der Anglikanischen Kirche und der Kirchen der Reformation gehören dem LAZARUS Orden an. Der Orden hat eine besondere Beziehung zum Osten und zum Orient. Es gehören ihm deshalb Vertreter der orthodoxen und der unierten (griechisch-katholisch, melkitisch-byzantinisch) Kirchen an. 

(8) Wie ist die regionale Struktur des Ordens in Deutschland?

Die Großballei Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die regionalen Strukturen des Ordens auszubauen. Regionale Zentren bilden derzeit im Rheinland, dem Breisgau, Bayern, Berlin, Hessen- Nassau,  Schleswig und Württemberg. Weitere Kommenden sollen in den nächsten Jahren entstehen.

(9) Wie viele Mitglieder hat der Orden in Deutschland und wie setzen sich diese zusammen?

Die Großballei Deutschland rund 80 Mitglieder. Davon sind 65 % Männer und 35 % Frauen. Der höchste Repräsentant des Ordens in Deutschland ist der 3. Großbailli S.D. Ernst August Prinz zur Lippe GCLJ Die Mitgliedschaft des Ordens setzt sich aus Medizinern, Juristen, Kaufleuten, Unternehmern, Hochschullehrern, Lehrern, Priestern, Ordensgeistlichen, Ingeneuren, Technikern, weiteren Akademikern und Selbständigen sowie Fachangestellten zusammen.
Die weiteren Ordenszweige in Deutschland ( siehe LAZARUS UNION in Deutschland) vereinigen weitere 20-30 Mitglieder.

(10) Wie entwickelt und entfaltet der Orden seine hospitalische Arbeit?

Die karitativen (in der Ordenssprache: "hospitalischen") Aufgaben stellen sich dem Orden grundsätzlich aus seinen Statuten. Darin sind die Ziele festgelegt - s. Artikel 2 der Statuten der Großballei Deutschland, 1997: (1) Ziel des Ordens ist es, den christlichen Glauben und das Rittertum zu bewahren und zu verteidigen, die Armen, die Kranken und Sterbenden zu schützen, ihnen beizustehen, sie zu unterstützen und ihnen zu helfen sowie die Prinzipien des christlichen Rittertums zu fördern. (2) Zu den Aufgaben des Ordens zählen deshalb besonders die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege sowie die Pflege der Kranken, Verwundeten, Verletzten und Unfallgeschädigten, vor allem der Leprakranken, der Fürsorge der Alten, Siechen, Bedürftigen und Armen. der Betreuung der bedürftigen Jugend und der körperlich und wirtschaftlich Schwachen. der Hilfeleistung in Katastrophen- und Notfällen. der karitativen Hilfe im internationalen Bereich. der Verständigung zwischen den großen Religionen, besonders den Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts und deren Arbeit für die christliche Kirche und Wiedervereinigung der christlichen Kirchen. der Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung zum christlichen Geist Auf diese Ziele und Aufgaben ist jedes Ordensmitglied kraft seines Gelöbnisses verpflichtet. Das Ordenskapitel, die Kommenden als Untergliederung des Ordens und seine einzelnen Mitglieder entwickeln und realisieren einerseits durch die Hilfswerke des Ordens und seiner befreundeten Hilfsorganisationen sowie andererseits unmittelbar durch den Orden selbst die verschiedenen karitativen Projekte; das Kapitel fasst die erforderlichen Beschlüsse, die Finanzierung erfolgt über die Deutsche Lazarus Stiftung (DLS), in Ausnahmefällen laufen gezielte Sonder-Spendenaktionen.

(11) Was sind die Voraussetzungen, um in den Orden aufgenommen werden zu können?
 

Gemäß Statut und aus der Lebensform der Ritterschaft ergeben sich folgende Voraussetzungen für die Aufnahme in den Orden: Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche. Die Bereitschaft christliche Werte zu leben und zu bewahren. Leben aus dem Gebet. Einsatz für Arme, Alte, Behinderte, Gefangene, Kranke, in Not Geratene Mindestens eine einjährige Vorbereitungszeit. Mindestens zwei Mentoren. Die Bereitschaft zum Gehorsam und zur Pflichterfüllung.


(12) Was unterscheidet den LAZARUS Orden von allen anderen Gemeinschaften? (13) Welche Gründe sprechen dafür, sich dem Lazarus Orden anzuschließen ?
 

Der LAZARUS ORDEN ist ökumenisch, solidarisch und ritterlich. Im LAZARUS Orden kann man: Verbindungen aufbauen Kontakte pflegen Perspektiven öffnen Wertegemeinschaft erleben Lebenssinn erfahren Freundschaften schließen Spiritualität entdecken Beten lernen Sammlung finden Gottesdienst feiern Armen helfen Frieden stiften Fesseln lösen Gerechtigkeit schaffen.

 

(Ergänzung) 
 

Die Entwicklung des Ordens in Deutschland nach der Internationalen Wiedervereinigung im September 2008 in Manchester und der Wahl eines neuen gemeinsamen Großmeisters
 

Der internationale LAZARUS ORDEN hat  sich im September 2008  in Manchester  nach Jahren der Trennung wiedervereinigt. Bereits ein Jahr zuvor  hatten  sich die ehemalige spanische und die ehemalige französische Obidienz vereint.  Die Norwich Group - zu der auch die Großballei Deutschland gehörte - und die sich ein Jahr zuvor  von der Orleans Gruppe getrennt  hatte erreichte ihr einziges Ziel die Gesamtwiedervereinigung und löste sich verabredungsgemäß am 5.September wieder auf. So konnte durch Vertrag in Manchester der Internationale Orden gesamtvereint werden und wählte gemeinsam seinen 49. Großmeister:

·         H.E. Don Carlos Gereda de Borbón, Marquis de Almazàn

 

Nach der internationalen Wiedervereinigung haben sich mit Wirkung vom 1.Januar 2012 (gemäß Vereinigungsvertrag vom 10.September 2011 geschlossen im Kloster Heilsbronn) in Deutschland die bisherige Großballei Deutschland und das bisherige Großpriorat Deutschland zur

Großballei Deutschland

vereinigt.

Auf deutschem Boden gibt es in der internationalen Ordensgemeinschaft ferner:

Das Europäische Humanitäre Großpriorat unter seinem Großprior S.E. Klaus-Peter Pokolm mit Sitz in Hürth (ehemals französische Obidienz)

Die neue Erbkommende Wallendorf bei Mainz unter ihrem  Erbkommendator S.E. Thomas Piontek (gestiftet durch den letzten spanischen Großmeister)

Diese legalen Ordens - Gruppierungen stehen unter dem 49. Großmeister und bilden in Deutschland seit Januar 2009 (Gespräche von Münster) die LAZARUS UNION in Deutschland  
 

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Stand Januar 2012