Zur Herkunft des Ordens

 
Die realen Anfänge des Lazarus Ordens liegen im Dunkeln und das Fehlen geeigneter Quellen erschwert den Zugriff auf seine Frühzeit.

knight_1200.jpg Der Orden, dessen Markenzeichen die Sorge um die Leprakranken bzw. Aussätzigen wurde, steht nach seiner Überlieferung in der Tradition jener frühen christlichen Gemeinschaften aus dem Orient, deren Zuwendung gegenüber Notleidenden und Kranken bereits im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus der Nachwelt beeindruckende Zeugnisse praktischer Nächstenliebe überliefert hat. Die besondere Identifikation der Ordensangehörigen mit Aussätzigen ist mehr als ein Indiz für eine Wurzel des Ordens, die weit älter ist, als die, die erst mit den Kreuzzügen in das Heilige Land kamen bzw. dort erst in Folge derselben neu gegründet wurden. Eine solche Hingabe für Menschen in Not und im Schatten des Todes findet sich im Abendland nicht vor der Bekanntschaft mit jenen kompromisslosen Anhängern der Barmherzigkeit, die sehr zum Ansehen und zur Verbreitung des Christentums in seinen ersten Jahrhunderten, insbesondere nach der konstantinischen Wende zum Beginn des vierten Jahrhunderts, beigetragen haben. Selbst die Muselmanen, die ab dem 6. Jahrhundert immer tiefer in den Vorderen Orient vorrückten und die griechischen Christen auf wenige Gebiete dorthistor1.gif
zurückdrängten, waren von dieser vorbildlichen sozialen Versorgung der Bevölkerung angetan, so dass sie den Christen die Betreibung ihrer Wohlfahrtseinrichtungen weiter ungehindert gestatteten. Der Geist von der barmherzigen Liebe Gottes atmete in diesen Einrichtungen und Gemeinschaften noch voll unverbrauchter Frische, als schließlich die ersten schweren Hufe der mächtigen fränkischen und normannischen Streitrosse um 1100 den Staub auf den Straßen und Wegen des Heiligen Landes aufwirbelten und den Beginn anderer Zeiten ankündigten, die gute 100 Jahre später die nahezu vollständige Vertreibung aller Christen aus dem heiligen Land zur Folge hatten. Es mag sein, dass die Überlieferung des Ordens legendäre Ausschmückungen erfahren hat, die aber einer historisch-kritischen Betrachtung und Methode nicht standhalten können. Doch eine rein historische Sicht über den Ursprung des Ordens wird weder der Tradition noch der Würde seiner Ahnen gerecht. Darum wäre der Weg einer chronologischen Darstellung und Abhandlung der Geschichte des Ordens nicht richtungsweisend. Erst mittels einer hermeneutischen Auslegung stoßen wir auf das Phänomen der Wirkmächtigkeit des Geistes von St. Lazarus, in dessen Ergriffensein über alle Zeitenwenden bis heute Menschen für Menschen in Not weltweit tätig werden. Darauf kommt es wirklich an. Denn erst so bildet sich ein Bogen zwischen Ursprung und Gegenwart, eine lebendige Beziehung, die durch Aufrechterhaltung der Überlieferung das Wirken des Ordens durchdringt und diesen trotz mancher Abschweifung und Entartung in seiner Vergangenheit immer wieder auf den wahren Kern seiner Bestimmung zurück geführt hat, sich den Ärmsten der Armen zu widmen, Menschen in Not, ohne Ansehen der Person. Diese Wachheit für die eigenen Quellen bewahrte den Lazarus Orden in seiner wechselhaften Geschichte mehrmals vor seinem sicheren Untergang. Die geistige Heimat des Ordens ist das griechische Christentum des Ostens.