Lazarus - Ein Impuls

Der Name Lazarus begegnet uns sowohl im Lukas-Evangelium als auch im Johannes-Evangelium.

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Die Auferstehung Lazarus

Der Evangelist Lukas berichtet über den Lazarus, der mit Geschwüren bedeckt ist und schließlich in Abrahams Schoß Trost findet. Im Evangelium des Johannes ist Lazarus, der Bruder von Martha und Maria, der enge Freund Jesu, den Jesus von den Toten erweckt. Obwohl die beiden Lazaruserzählungen auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, ergibt sich bei näherer Betrachtung doch eine innere Beziehung. Gott ist den Todgeweihten, den Sterbenden und darüber hinaus sogar den Verstorbenen nahe. Gott hilft auf dem Weg der Vollendung, er lässt uns nicht allein. Wir finden Trost in Abrahams Schoß. Oder: Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang, das Verlassen der irdischen Höhle, der fleischlichen Hülle. Das will uns der Name Lazarus sagen: Gott hilft! Er erbarmt sich unser. Leid und Tod sind nicht die letzte Antwort auf das Leben.

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Gerade für die Aussätzigen, die bereits als noch Lebende von der Gesellschaft als schon Tote abgeschoben und ausgesondert waren, bot diese Botschaft einen neuen Horizont, der ihrem elenden Dasein und ihren niedergeschlagenen Seelen plötzlich eine hoffnungsvolle Perspektive gab, nicht durch die Verabreichung einer Wundermedizin, sondern durch die Annahme der Krankheit und des Unvermeidbaren, in einem ganz befreienden Loslassen aller Nöte, Sorgen und Zweifel, in der Freude auf das ewige Leben, wunderbar getröstet und gehalten. Deshalb verwundert es nicht, dass sich diejenigen, die sich der Todgeweihten, Sterbenden und Verstorbenen annahmen, den Lazarus als Patron für Ihre Gemeinschaften aussuchten. Meistens selber betroffen, sterbenskrank, brachten sie Licht in das Dunkel der Ausgestoßenen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes auf der Schattenseite des Todes befunden haben, ein Licht, das jenen den Frieden, Seelenfrieden, schenkte.

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Kreuzbild von Karl Otto Goetz
1958

Noch heute heißt es in einer altehrwürdigen Antiphon zum Begräbnis eines Mönches: "In paradisum deducant te angeli…Chorus angelorum te suscipiat, et cum Lazaro quondam paupere aeternam habeas requiem." "In das Paradies mögen dich die Engel geleiten…Der Chor der Engel möge dich aufnehmen. Und mit dem einst armen Lazarus mögest du ewige Ruhe haben." Wie vielen Menschen bleibt heute der Weg zum Seelenfrieden verwehrt? Wie viele Menschen finden heute keinen Trost mehr im Angesicht einer schweren lebensbedrohlichen Krankheit? Um wie viel ärmer sind die vielen Menschen geworden, die keine Hoffnung mehr auf ein ewiges Leben haben? Wie viele Krankheiten sind unbesiegt? Lazarus, das ist Gottes Hilfe auf dem Weg durch das Tor zur Vollendung. Lazarus, das ist unser Begleiter auf dem Weg in die neue Stadt, zum ewigen Gott, in das himmlische Jerusalem. Unser Ziel ist nicht hier zu bleiben, sondern anzukommen, ebenda.